Von Vorurteilen zwischen Christen

Von Bernd Wessel

Ohne Gemeinde ist man verloren und geht unter? Oder in Hausgemeinschaften streunen oftmals nur rebellische und psychisch labile Menschen umher? Das sind zwei Aussagen, die ich immer mal wieder höre und es mich drängt dazu etwas sagen zu wollen.

Ohne Gemeinde ist man verloren und geht unter?

Es ist richtig, dass Gott Gemeinschaft möchte, aber zuerst gilt diese Gemeinschaft zwischen den Menschen und Ihm. Gemeinschaft unter Christen ist auch wichtig, wird aber oft überbewertet. Ich bin nunmehr seit drei Jahren ohne inst. Gemeinde und bin noch nicht untergegangen. Im Gegenteil, mein Glaube ist gewachsen und stärker geworden und sogar freier.

Freier, weil ich keinem Kollektiv mehr folgen muss und ich ein unverhüllten Blick auf Jesus bekommen habe. Dogmen aus der inst.* Gemeinde, die zuvor mein Blick getrübt haben sind gewichen und siehe da es wurde Licht.

Das alles tatsächlich entscheidende ist die persönliche Beziehung zu Jesus und das man keine verletzte Opposition gegen inst.* Gemeinden inne hat. Ich habe auch heute noch gute Kontakte und Freundschaften zu Gemeinden und Werke.

Das was jedoch tatsächlich fehlt ist die Gebetsgemeinschaft oder die Hauskreisgemeinschaft, eine Gemeinschaft wo man sich anvertrauen kann und Hilfe und Unterstützung bekommt. Ich gebe zu, dass dies sehr schwer ist, da ich von Gemeinschaft eine bestimmte Vorstellung habe.

Gemeinschaft soll für mich nach dem Vorbild der Urgemeinde erfolgen, wo sie ein Herz und eine Seele waren und alles miteinander teilten. Die Liebe untereinander war so stark sichtbar und darin auch Gottes Vollmacht, das niemand sich zu nähern wagte. Ein zu hoher Anspruch?

Ich denke nicht, wohl eher ein verloren gegangenes Verhaltensmuster der ersten Liebe, welche sich dem Zeitgeist untergeordnet hat. Ich möchte aber Gemeinschaft erleben, die genauso funktioniert und ich halte es auch für machbar und möglich.

In Hausgemeinschaften streunen oftmals nur rebellische und psychisch labile Menschen umher?

Es ist richtig, dass auch wir solche Erfahrungen gemacht haben, aber ich denke nicht mehr als inst. Gemeinden dies auch erleben. Dort fällt es aufgrund der höheren Masse jedoch nicht so stark auf und ins Gewicht.

Rebellische Menschen sind oft verletzt und haben das Potenzial eine Gemeinschaft erheblich zu stören. Grade kleine Gruppen sind hier stärker gefährdet weil die Auswirkungen schneller durchschlagen. Leitende Personen sind da sicher schwer herausgefordert und nicht selten gehen solche Gruppen dann auch auseinander.

Ein weiteres Gefahrenpotenzial besteht auch in der Bibelauslegung und auch inst. Gemeinden sind da nicht ausgenommen, letztlich kommt es immer auf den Menschen an, der die Bibel auslegt und vermittelt, ob nun Theologe oder nicht.

Der Unterschied besteht in der Größe der Gemeinschaft und darin wie gut leitende Personen sich dagegen zur Wehr setzen können. Zugegeben, eine inst. Gemeinde hat den vermeintlichen Vorteil einer Struktur insbesondere einer Leitungsstruktur. Aber ich habe auch hier schon großes menschliches Versagen erlebt, es wird dann einfach vor den Mitgliedern verschwiegen oder runtergespielt.

Bleibt noch das Potenzial der „Normalos“, die durchaus vorhanden sind und sich auch organisieren, allerdings sind diese nicht so öffentlich vernetzt wie inst. Gemeinden, Werke und Denominationen. Sie sind oft für sich gehalten und sehen keine Veranlassung sich entsprechend zu vernetzen.

Das kann logisch sein, wenn man damit zufrieden und glücklich ist und für viele funktioniert das auch. Findet jedoch Fluktuation statt oder die Leute schwinden aus Altersgründen wird es schon problematischer. Daher bin ich auch für eine Vernetzung von Hausgemeinschaften in einer offenen Struktur ohne eine Denomination aufrichten zu wollen.

Ich würde mir eine simple öffentliche Vernetzung wünschen, um so Möglichkeiten gegenseitiger Hilfen zugänglicher zu machen. Verschiedene Versuche und Angebote bestehen auch schon, aber es ist schwierig diesen Vernetzungsgedanken zu vermitteln.

Vielleicht bestehen diese Schwierigkeiten auch aufgrund der gegensätzlichen Vorurteile zwischen inst. Gemeinden und Hausgemeinschaften. Negative Erfahrungen auf beiden Seiten prägen das Gesamtbild und verhindern so eine fruchtbares miteinander.

Nur weil ich eine andere Form von christlicher Gemeinschaft erleben möchte, bin ich kein verlorener Christ und ich erlebe auch nicht, dass nur Rebellen Hausgemeinschaften besuchen. Ebenso denke ich auch nicht, dass inst. Gemeinden nur aufgrund ihrer Strukturen grundsätzlich nicht ok wären. Im Gegenteil, für viele Menschen ist die inst. Gemeinde ein echter Ort der Begegnung.

Wie können wir solche Vorurteile abbauen?

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* Inst. = institutionell

Wie finde ich ohne inst. Gemeinden Gemeinschaft mit Christen?

Wie finde ich ohne inst.* Gemeinden Gemeinschaft mit Christen?

Eines der häufig genannten Probleme von Christen in der westlichen Welt, die Einfache Gemeinde leben, ist, das sie Schwierigkeiten haben, Gemeinschaft mit anderen Christen zu finden. Nicht selten erleben solche Christen ein Einsamkeitsgefühl und fragen sich, ob sie tatsächlich als Christ so weiterleben sollten. Sollen sie so vermeintlich isoliert bleiben oder in den sauren Apfel beißen und die Versammlungen der institutionellen Gemeinden wieder aufsuchen?
Dass das nicht notwendig ist, möchte ich im folgendem aufzeigen.

(Anmerkung: Der Christ, welcher Einfache Gemeinde lebt= im folgendem EG-Christ / Institutionelle Gemeinden= im folgendem inst. Gemeinden)

Die regelmäßigen Veranstaltungen und Treffen der institutionellen Gemeinden waren und sind ja der hauptsächliche Raum, in denen Begegnung zwischen Christen der westlichen Welt stattfinden. Diese Kultur prägt uns als Christen in unserer Denkweise und unseren Vorstellungen darüber, was christliche Gemeinschaft ist und in welchem Rahmen sie stattfindet. Darüber müssen wir zunächst nachdenken, bevor wir zu Ideen und Rezepten der Gemeinschaftsbildung kommen können.

Unsere Prägung und was Gott sucht
Wenn man sich mit EG-Christen über Gemeinschaft, über Treffen und Versammlungen mit anderen Christen unterhält stößt man immer wieder auf bestimmte Vorstellungen, die tatsächlich echte Gemeinschaft verhindern.

Stellt man die Frage danach, was ein Treffen von Christen beinhalten sollte, damit es als ein vollwertiges Zusammenkommen nach biblischen Maßstäben gewertet wird, erhält man folgende Punkte:Gemeinsames Gebet

  • Gemeinsamer Lobpreis
  • Eine Wortbetrachtung
  • Ggf. ein gemeinsames Abend- / Herrenmahl

Doch woher stammt diese Vorstellung, dass ein Zusammenkommen von Christen nicht „vollwertig“ sei, wenn diese Punkte nicht vorhanden sind? Mit ein wenig Nachdenken fällt auf, dass dies zwar alles Punkte sind, die wir in der Bibel finden und daher absolut ihre Berechtigung haben, nicht aber zwingend in eben dieser Konstellation gemeinsam erscheinen müssen.

Tatsächlich fanden diese Punkte ihren Wert, dass sie für ein vollwertig empfundenes Zusammenkommen unter Christen stehen, erst durch die Einführung und Pflege der inst. Gottesdienste. Denn erst dort wurden sie zwingend zusammengefasst. Je nach Konfession zwar mit unterschiedlicher Gewichtung, aber ansonsten in allen inst. Gemeinden. Diese Vorstellung von Gottesdiensten ist so prägend, dass Christen, die aus den inst. Gemeinden ausgestiegen sind, ihre Gemeinschaft mit anderen Christen immer noch daran messen.

Was aber bedeutet dann die Aussage in Matthäus 18:20 Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte. (Rev.Elb.)?
Wann ist man denn wirklich im Namen Jesu versammelt, so dass wir gewiss sein können, dass Jesus selbst unter uns ist?
Die Beantwortung der Frage hängt von der Gewichtung ab, die wir voranstellen. Ist nun das durchführen religiöser Handlungen maßgeblich oder die Gemeinschaft selbst? Was hat Jesus uns vorgelebt? Tatsächlich lässt uns das Studium der Evangelien vermuten, dass Jesus wesentlich mehr Zeit mit seinen Jüngern in alltäglichen Dingen verbracht hat, als in einem Setting, welches einem Gottesdienst ähnlich ist. Sehr viel Zeit verbrachte Jesus mit seinen Jüngern, indem er mit ihnen zu Fuß unterwegs war, in der er mit ihnen ein gemeinsames Mahl einnahm, in der er sich um Andere kümmerte, die zu ihm kamen. Ja, es erscheint sehr wahrscheinlich, dass Jesus zwar nichts gegen religiöses, rituelles Verhalten hatte, seine eigene Gewichtung aber auf die alltägliche Gemeinschaft mit seinen Jüngern legte. Warum sollten dann gerade wir, die heutigen Jünger Jesu, das Gewicht viel stärker auf die religiösen Riten legen?

Einfache Gemeinde zu leben bedeutet, dass man die Gemeinschaft mit anderen Christen konkreter leben will, als sie im Rahmen von Programmen möglich ist. Im Fokus steht, nach Gott selbst und dem individuellen Umgang mit ihm, die tatsächlich gelebte Gemeinschaft mit anderen Christen. Diese ist weit vielschichtiger als das Durchführen dieser oben genannten wenigen Punkten. Wobei es sicherlich gut und richtig ist, diese in der gelebten Gemeinschaft auch zu tun.

Im Namen Jesu versammelt zu sein, bedeutet vor allem, dass Jesus den Mittelpunkt der Gemeinschaft bildet. Eben darin, dass er in seinem Wesen und seinen Anliegen an uns eine gewichtige Rolle spielt. Man kann mit Leichtigkeit alle die oben genannten Punkte durchführen, ohne dabei auch nur einen Funken echte Gemeinschaft zu pflegen. Die gleichzeitige Anwesenheit in einem Raum ist eben noch keine Gemeinschaft. Auch ein gemeinsames Zuhören oder Singen ist noch keine Gemeinschaft. Wenn das so wäre, würde so Mancher fast täglich eine ausgeprägte Gemeinschaft mit anderen Fahrgästen öffentlicher Verkehrsmittel pflegen – diese würde sogar in einigen Fällen den zeitlichen Rahmen der gottesdienstlichen Gemeinschaft weit übertreffen. Fakt ist aber, dass, in der westlichen Welt, keine Gemeinschaft in Bussen und Bahnen, etc. stattfindet. Man teilt sich lediglich vorübergehend einen Raum.

Das Wesen und das große Anliegen Jesu ist aber die Liebe zu Gott und untereinander. Dies ist ihm wesentlich wichtiger als das Durchführen ritueller Gewohnheiten. So wird Jesus zum Mittelpunkt der Gemeinschaft von Christen, wenn diese Liebe in ihrer Vielfältigkeit untereinander zum Ausdruck kommt. Es bedarf nicht einmal, dass Gott immer zum Gesprächsthema wird, wenn stattdessen eine Zuwendung aus der göttlichen Liebe heraus geschieht. So kann ein sprachloses Versorgen Bedürftiger mehr Liebe Gottes zum Ausdruck bringen, als lange Gespräche über das Wort Gottes. Wobei ich mir ganz sicher bin: Wo Menschen zusammenkommen, die Gott leidenschaftlich lieben, wird Gott ganz von selbst immer wieder in der Begegnung und in den Gesprächen vorkommen. Wo Christen davon überzeugt sind, dass Gott sich wünscht, dass wir uns mit ihm im Gebet aussprechen und ihm zuhören, werden sie wenig Hindernisse haben, auch gemeinsam zu beten. Ganz egal wo und in welchen Situationen. Wo Jesus im Herzen der Menschen seinen Mittelpunkt hat, wird er auch immer in der Begegnung solcher Menschen im Mittelpunkt sein.

Zweckgemeinschaften
Fangen Christen an Einfache Gemeinde zu leben, suchen sie oft andere Christen um mit ihnen regelmäßige Treffen in ihren Häusern durchzuführen – sie bilden Hausgemeinden, oder wollen das zumindest tun. Trotz so mancher Treffen und Gesprächen mit anderen Christen, ja auch Christen, die auch nicht mehr regelmäßig zu inst. Gemeinden gehen, finden sie Niemanden oder wenn doch, dann manches Mal  nur für eine relativ kurze Zeit. Warum ist das so?

Der Punkt, der hier hinderlich im Wege steht ist die Motivation, warum man Gemeinschaft mit anderen Christen sucht. Man begegnet ihnen nicht um ihrer selbst willen, sondern als mögliche Partner für die regelmäßigen Treffen. Das ist die Suche nach einer Zweckgemeinschaft und nicht die Suche nach Gemeinschaft. Wenn Gott uns begegnet, dann tut er es immer um unserer selbst willen und nicht deshalb, weil wir einen entsprechenden Rahmen dafür geschaffen haben. Gott sucht keine Gemeinschaft zum Zwecke der Anbetung seiner Person oder ähnliches. Wiewohl Gott den Lobpreis und eine Anbetung, die aus den Herzen der Anbeter kommt, sehr wohl liebt. Doch auch Lobpreis und Anbetung beschränkt sich bei weitem nicht auf das sprechen von Gebeten und dem singen von Liedern. Tatsächlich ist das nur ein Bruchteil wahrer Anbetung. Lobpreis und Anbetung sind viel mehr Lebenshaltung als punktuelle Rituale. (Was hier aber nicht weiter ausgeführt werden soll.)

Wenn wir uns in unserer Suche nach Gemeinschaft mit anderen Christen darauf konzentrieren mit diesen Gemeinschaft um ihrer selbst willen zu suchen, werden wir womöglich viel leichter auf Christen treffen, die gerne oft und evtl. ja sogar regelmäßig mit uns Gemeinschaft haben möchten. Warum? Weil sie merken, dass es uns um sie geht und sie in unseren Augen nicht nur Personen zum Zweck darstellen.

Wie findet man also praktisch Gemeinschaft mit anderen Christen
Hier nun ein paar praktische Beispiele, die lediglich als Anregung für viele kreative Ideen sein können.

Als Basisgedanke kann hier gesetzt werden, dass wir uns innerlich von den Vorstellungen inst. Gemeinden verabschieden sollten, wie chr. Gemeinschaft gebildet wird. Es geht vor allem nicht in erster Linie darum, Versammlungen irgendwelcher Art durchzuführen. Es geht um echte Begegnung. Dazu müssen wir bereit sein, Beziehungen zu Anderen zuzulassen. Wir sind bereit uns für Andere zu öffnen, unser Leben zu teilen und Anteil am Leben Anderer zu nehmen. Wir gehen auch davon aus, dass es im Willen Gottes für unser Leben liegt, dass wir Gemeinschaft finden und es empfiehlt sich ähnlich wie folgt zu beten: „Herr, in welche Beziehungen soll ich mich heute investieren. Mit wem soll ich heute mein Leben teilen?“
Wir verzichten bewusst darauf, andere Christen für zB unsere Hausgemeindetreffen zu gewinnen. Stattdessen legen wir den Fokus darauf, Gemeinschaft mit Christen um ihrer selbst willen zu suchen.

Festhalten müssen wir hier auch, dass Gemeinschaft vor allem selbst gesucht werden muss. Das bedeutet, dass der EG-Christ, der Gemeinschaft sucht, auch gefordert ist, von sich aus andere Christen anzusprechen – auch wiederholt. Da man sich eben nicht Sonntäglich im Rahmen von Gottesdiensten begegnet, muss der Schritt auf den Anderen zu, bewusst gegangen werden.

Lade Andere zum gemeinsamen Kaffee oder zum Essen ein.
Sehr gute Erfahrungen habe ich selbst mit samstäglichen Mitbring-Frühstücken gemacht. Ich habe eine bunt gemischte Gruppe eingeladen. Sowohl Christen, als auch Nichtchristen. Bewusst auch Leute, die sich bisher nicht kannten. Jeder bringt etwas mit, wenn er kommt. Einziger Programmpunkt: Gemeinsam Essen und sich begegnen.
Diese Frühstücke waren immer sehr beliebt.

Natürlich bieten sich auch Grillabende und was es alles noch rund ums Essen gibt, an.

Treffe dich zu Ausflügen oder zum Sport.
Welche Interessen hast du auf diesem Gebiet und wer könnte aus deinem Bekanntenkreis auch Lust daran haben?

Wo kannst du helfen?
Gibt es Arbeiten oder Besorgungen, oder Ähnliches bei Christen die du kennst und wo du Hilfe sein kannst? Dann biete deine Hilfe an.

Besuche Andere, die selbst Einsam sind oder die durch die Gruppen anderer Christen wenig Beachtung finden.
Etc.

Wie man sieht, es geht um recht einfache Dinge, die man miteinander tut. Weit weg von bedeutungsvollen religiösen Versammlungen. Hat man auf der Basis echter Begegnungen gelingende Beziehungen zu anderen Christen aufgebaut, dann werden auch Treffen mit stärkerem gottesdienstlichen Bezug leicht möglich sein. Ein gemeinsames Abendmahl z.B. lässt sich recht leicht im Rahmen eines gemeinsamen Mahls einflechten. Letztlich hat ja auch Jesus dies so getan. Die Einsetzung des Abend- / Herrenmahls geschah inmitten eines festlichen Abendessens.

Ein angestrebtes Ziel gelebter Gemeinschaft sollte auch sein, dass wir uns regional mit anderen Christen vernetzen und Gemeinsamkeiten entdecken. Als Anregung dazu:

  • Gemeinsame Ausflüge
  • Gemeinsames Essen
  • Gemeinsame Bibel- und Lehrdialoge
  • Themenabende oder auch Tage
  • Praxis- und Erfahrungsaustausch beim Gründen einer Gemeinschaft
  • Erfahrungsaustausch spezieller Probleme in der Gemeinschaft
  • Gemeinsame Kurs- oder Seminarangebote

Zweck ist es, sich zu begegnen und austauschen, voneinander zu lernen und dabei einen klaren Weg mit Jesus zu finden und zu gehen. Ziel ist es, dass der Einzelne Teil der Gemeinschaft und nicht als Zuschauer außen vor ist. Daher sollten solche Begegnungen immer einen offenen Charakter und Dialog haben. Sehr gerne möchten wir dabei auch das gelebte Prinzip von Einfache Gemeinde ohne inst. Strukturen weitertragen und vorleben.

Lasst uns die Förmlichkeiten zugunsten echter und tiefer Begegnungen untereinander ablegen. Und lasst uns so Christus in unserem Gegenüber begegnen.

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* Inst. = institutionell

Was ist Einfache Gemeinde?

„Einfache Gemeinde“ (englisch „Simple Church“) ist ein Begriff, welcher nun schon seit Jahren weltweit einen Glaubensstil beschreibt, welcher sich unabhängig von institutionellen Gemeinden entwickelt hat. In diesem Zusammenhang werden auch andere Begriffe wie „Organische Gemeinde“ oder „Hauskirchen“ verwendet. Mittlerweile haben sich Millionen von Christen dazu entschieden, die institutionellen Gemeinden zu verlassen, um ihren Glauben in ihren eigenen Häusern ursprünglicher und beziehungsorientierter zu leben. Doch was unterscheidet „Einfache Gemeinde“ eigentlich von den institutionellen Gemeinden oder anders gesagt:

Was unterscheidet „Einfache Gemeinde“  von der „Gemeinde, wie wir sie kennen“?

Rückkehr zu dem Ursprünglichen
Christen, die „Einfache Gemeinde“ leben, wollen sich bewusst den ursprünglichen Wurzeln der christlichen Gemeinschaft zuwenden, wie wir sie z. B. in der Apostelgeschichte berichtet finden. Damals gab es noch keine Institution, die sich „christliche Kirche“ nannte. Die Christen in dieser frühen Zeit trafen sich vornehmlich in Privathäusern und in den Vorhöfen des Tempels – bis dieser zerstört wurde. In den jüdischen Synagogen waren die Christen nicht gerne gesehen, daher konzentrierte sich das Gemeinschaftsleben der frühen Christen auf die privaten Treffen.

Zu diesen einzelnen Treffen kamen in der Regel eher kleine Gruppen. Dafür bildeten sich in einer Region oftmals eine ganze Anzahl solcher Haustreffen.

Innerhalb dieser ersten christlichen Gemeinde gab es keine hierarchischen Leitungsstrukturen. Die Leiter der damaligen Gemeinde befanden sich auf Augenhöhe mit den anderen Christen.

Nach der Auferstehung Jesu vergingen mehrere hundert Jahre, bevor sich eine hierarchische und institutionelle Kirche formte.

Gemeinschaft im Zentrum
Christen, die „Einfache Gemeinde“ leben, haben sich dieser diesem einfachen Glaubensleben neu zugewandt. Sie verzichten auf die Bildung institutioneller Gemeinden, den Bau hierarchischer Leitungsstrukturen und aufwendige Gottesdienstprogramme. Der Brennpunkt ihres Glaubenslebens ist die Gemeinschaft.

In erster Linie suchen sie die Begegnung mit Gott, im Gespräch mit ihm, im Bibelstudium, Anbetung und in vielen Arten der Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen.

Die wachsende Beziehung zu Gott führt sie ebenso in tiefe Begegnungen mit anderen Christen. Feste Programme und Zeitpunkte der Treffen sind keine unabdingbare Voraussetzung für diese Gemeinschaft. Vielmehr entwickelt sich die Gemeinschaft organisch und natürlich, und zwar in dem Maße, wie auch die Beziehung zu Gott und zu den Geschwistern wächst.

Innere Haltung statt neuer Formen
Das Gemeindeleben im Alltag und die Formen von „Einfache Gemeinde“ sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Es geht ja nicht darum, wieder einmal eine bestimmte neue und „richtigere“ Form des Glaubenslebens zu finden. Es geht nicht darum, überall als „Einfache Gemeinde“ eine einheitliche Form der Treffen und der Gemeinschaft zu pflegen.

„Einfache Gemeinde“ ist keine neue Form, wie Gemeindeleben zu gestalten ist, sie ist der Ausdruck einer wachsenden und innigen Beziehung zu Gott und zu anderen Christen. Dieser Weg, Gemeinde zu leben, entspricht also eher einer inneren Haltung, die Beziehung zu Gott und zu den Weggefährten in den Mittelpunkt zu stellen. Die äußerliche Form dient daher nur der Unterstützung der Beziehungen. So unterschiedlich Beziehungen sind, so unterschiedlich werden auch die Formen sein.

Hausgemeinden und „Einfache Gemeinde“
Zu Beginn dieser Rückbesinnung so vieler Christen auf eine ursprünglichere Art des Glaubenslebens gab es eine Welle von Neugründungen von Hausgemeinden. Diese legten Wert darauf, dass nicht einfach die üblichen Gottesdienstprogramme in die Wohnzimmer ihrer Privathäuser verlegt wurden. Dennoch gab und gibt es auch solche Hausgemeinden, die genau das tun. Es gibt ja keinerlei feste Vorgaben, wie Hausgemeinde durchgeführt werden soll.

In den Hausgemeinden hat sich bald die Gewohnheit entwickelt, dass man sich vor Gebet und Lehraustausch zu einem gemeinsamen Essen traf. Dies ist ebenfalls eine Tradition, welche wir bei Jesus und seinen Jüngern finden können.

Auch wenn „Einfache Gemeinde“ oft mit Hausgemeinde gleichgesetzt wird, gibt es einen deutlichen Unterschied. Während Hausgemeinden dazu tendieren können (nicht unbedingt müssen) lediglich eine andere Form der Gemeinschaft zu leben, ist „Einfache Gemeinde“ keine neue Form, sondern eine ursprüngliche Haltung von Christen den eigenen Glauben zu leben.

„Einfache Gemeinde“ leben
Wo Christen sich entschieden haben, „Einfache Gemeinde“ zu leben, finden wir eine offene und intensive Gemeinschaft. Die konkret gelebte Gemeinschaft tritt viel stärker in den Mittelpunkt und man stellt sich der Herausforderung, die Gemeinschaft mit anderen Christen konkret und bewusst anzustreben. Es wird nicht erwartet, dass diese sich durch das Zusammenkommen von Christen in organisierten Treffen – seien es nun Hausgemeinden oder auch institutionelle Gemeinden – quasi von selbst ergeben würde. Die Erfahrung zeigt, dass eine christliche Gemeinschaft, deren zentrales Element regelmäßige und organisierte Treffen ist, lange nicht die persönliche Tiefe erreicht wie eine bewusst gesuchte Gemeinschaft.

Eine weitere Herausforderung findet sich darin, diese bewusst gesuchte Gemeinschaft nicht nur auf rein menschlicher Ebene zu suchen. Es ist wichtig, gemeinsam Gott zu suchen und zu finden. Wenn Gebet, Anbetung und Bibelbetrachtung in einem Ablauf eines Treffens seinen festen Platz hat, steht man nicht wirklich vor dieser Herausforderung. Wenn es aber keinen festen Ablauf einer Begegnung unter Christen gibt, muss man sich auch hier bewusster dazu entscheiden, dem Gebet, Anbetung und der Bibelbetrachtung Raum zu geben. In dem Maße, wie jeder einzelne im Alltag mit Gott lebt, wird Gott auch im Zusammenkommen mit anderen Christen den entsprechenden Raum einnehmen.

Es zeigt sich, dass dies unter Christen, die sehr bewusst ihren Glauben leben, nicht wirklich schwer ist. Denn da ihr Glauben in ihrem Leben eine so zentrale Stellung einnimmt, drehen sich die Gespräche oft schnell ganz von selbst um Glauben, um Gott und die Bibel. Auch das Bedürfnis, miteinander zu beten und mit Gott zu leben, wird oft schnell gemeinsam empfunden und gemeinsam ausgelebt.

Es zeigt sich letztlich, dass ein Glaubensleben sich nicht erst durch gemeinsam gelebte feste Abläufe entwickelt, sondern dass diese christuszentrierte Gemeinschaft in Gebet und Bibelstudium sich aus dem gemeinsamen Bedürfnis, den christlichen Glauben zu leben entwickelt. So steht der eigene Glaube am Anfang der konkret gelebten Gemeinschaft und nicht eine festgelegte Form. So wird Gemeinde einfach und unkompliziert gelebt.

Ist die Haltung „Einfache Gemeinde“ zu leben im Leben und Herzen eines Christen verankert, äußert sich dies in einer ungeahnten Freiheit. Sie treffen sich auf allen möglichen Arten und in den unterschiedlichsten Formen. Sie haben auch die Freiheit, die Gemeinschaft anderer Christen innerhalb organisierter Gottesdienste und ähnlicher Treffen zu teilen. Sie haben innerlich den Paradigmenwechsel konkret vollzogen, dass nicht mehr die Form die Gemeinschaft ausmacht, sondern die konkrete Gemeinschaft über jeglicher Form steht. Das betrifft sowohl die Gemeinschaft mit Gott selbst als auch jene mit anderen Christen.

„Einfache Gemeinde“ und Leitung
Auch in der konkret gelebten Gemeinschaft der „Einfachen Gemeinde“ gibt es die Leiter, welche wir im Neuen Testament vorfinden: Älteste, Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer, etc.

Diese Leiter befinden sich auf Augenhöhe mit allen anderen Christen, die „Einfache Gemeinde“ leben. Ihre Anerkennung erhalten sie dadurch, dass sie sich in ihrer Diensthaltung und Befähigung als solche erweisen, nicht aber dadurch, dass sie als solche ausgebildet oder eingesetzt wurden (Was nicht bedeutet, dass eine Ausbildung auf theologischer Ebene überflüssig wäre). Oft üben solche Leiter ihren Dienst aus, ohne dass man sie offiziell mit solchen Titeln anredet oder bezeichnet oder sie solche Titel für sich suchen. In erster Linie geht es darum, dass Gott solche Leiter in seinem Leib berufen und befähigt hat. Es geht nicht wirklich darum, dass unter den Christen, die „Einfache Gemeinde“ leben, derartige Titel verteilt werden und die Leiter auf besondere Posten gestellt werden. Leitung konkretisiert sich eher durch gelebte geistliche Vaterschaft als durch Ausbildung und Einsetzung.

Vereinzelt ist es durchaus möglich, dass Leiter, welche z.B. apostolisch, als Lehrer oder als Evangelisten arbeiten, auch von diesem Dienst leben. Dennoch sind sie auch dann immer noch auf Augenhöhe mit allen anderen Christen.

„Einfache Gemeinde“ und Strukturen
Einfache Gemeinde will keine neue Konfession, Denomination oder Dachverband sein. Sie baut keine Gemeindehäuser oder Kirchengebäude und mietet diese auch nicht an. Es gibt keine bezahlten Mitarbeiter oder sonstigen initiierten Dienste. Somit gibt es keine Programme oder sonstigen Angebote, mit Ausnahme von einigen privaten Angeboten einzelner Geschwister aus dem Netzwerk. Diese handeln jedoch völlig freiwillig und eigenverantwortlich.

Alles funktioniert im Rahmen eines freiwilligen Netzwerkes, wo sich Einzelne einbringen und das Netzwerk eine Fülle an Informationen anbietet. Dabei geht es vorrangig darum, die Grundidee von „Einfache Gemeinde“ bekannt zu machen und Menschen damit in Verbindung zu bringen.

Hemmnisse beim Start von einfachen Gemeinden

In Gesprächen mit Christen, die über Hausgemeinden nachdenken, stelle ich immer wieder fest, dass oft sehr simple Dinge einem Start einer einfachen Gemeinde oder Hausgemeinde im Wege stehen. Oft sind es nicht einmal theologische Bedenken, die die Gründung verhindert.
Hier ein paar Beispiele die genannt wurden:

Das Haus öffnen
Tatsächlich ist der Gedanke, einfach einmal ein paar Bekannte (ob nun Christen oder Nichtchristen) zu einem Essen einzuladen oder dies gar regelmäßig zu tun, für Manche eine fast unüberwindliche Hürde. Nicht dass sie das nicht tun wollten oder es nicht zu genießen wüssten, wenn sie eingeladen werden. Nein, wenn sie selber die Einladenden sein sollen, steht ihnen ihr eigener Sinn für (ihre Vorstellung) von Gastfreundschaft im Wege. Für Manche bedeutet eine Einladung an zwei, drei andere zu einem gemeinsamen Abendbrot, ein Planungs- und Arbeitsaufwand von mehreren Tagen. Sie haben es nie gelernt entspannt und flexibel ihr Haus für Besucher zu öffnen.
Meine Empfehlung:
Wagen sie den Sprung ins kalte Wasser. Evtl. gemeinsam mit einem anderen Christen zusammen. Entlassen sie sich selbst aus der Hauptverantwortung und geben sie Gott und ihren Gästen die Möglichkeit an solchen Abenden gestalterisch mit tätig zu sein. Fragen sie nach, ob der eine oder andere Gast auch etwas zu dem Essen beitragen will, ob Jemand beim Abwasch helfen möchte, etc. IdR sind die meisten gerne bereit etwas beizutragen, ja so manchen entlastet das auch von dem schlechten Gewissen, es sich auf Kosten des Gastgebers gemütlich gemacht zu haben.
Gerade die Treffen der einfachen Gemeinde sollen durch die gemeinsame Gestaltung geprägt werden. Das beschränkt sich nicht alleine auf die Frage der geistlichen Dienste, sondern betrifft auch all das, was den Rahmen schafft.

Angst um bestehende Beziehungen
Ein solches regelmäßiges Treffen in den privaten Häusern wirkt auf Manche für ihre familiären Beziehungen bedrohlich. Wird das regelmäßige Zusammenkommen von Christen im eigenen Haus / in der eigenen Wohnung gewohnte Abläufe der Familie stören? Evtl. empfindlich in die Privatsphäre der Familienmitglieder einbrechen? Oder werden die Nachbarn sich daran stören?
Manche haben bereits zu zweit oder zu dritt solche regelmäßigen Treffen und scheuen nun davor zurück, diese auch für andere regelmäßig zu öffnen. Aus Angst davor, dass diese gewonnene Freundschaft darunter zerbrechen könnte oder sie dieser gewinnbringenden Treffen beraubt werden könnten.
Meine Empfehlung:
Wie so oft ist der beste Rat den ich hier geben kann, miteinander zu reden. Beziehen sie ihre Familie und Freunde in ihre Überlegungen und Planungen mit ein. Vereinbaren sie zunächst ein paar (zwei, drei) Probetreffen, um zu sehen wie es tatsächlich ist, wenn solche Treffen stattfinden.
Haben sie Angst darum, was ihre Nachbarn denken könnten, reden sie mit diesen. Evtl. laden sie sie sogar zu einem gemeinsamen Grillen oder ähnliches ein.
Vereinbaren sie mit ihrer Familie und Freunden, dass die bestehenden Beziehungen in der Priorität über diese Treffen stehen und dass Jeder zu Jederzeit evtl. Bedenken äußern darf.

Wie gestalten wir die Treffen?
Eine der häufigsten Fragen ist die Frage nach dem Programm des Treffens. Wie läuft soetwas ab? Wer gestaltet die einzelnen Programmpunkte? Was können wir selber tun und was dürfen wir überhaupt tun?
Meine Empfehlung:
Machen sie es so einfach wie möglich. Wagen sie das Experiment einfach mit einem gemütlichen Beisammensein beim Essen zu beginnen und fragen sie die Anwesenden, was sie an einem solchen Abend gerne gemeinsam tun möchten. Erwarten die Besucher tatsächlich ein Programm ähnlich wie in Sonntagsgottesdiensten? Fragen sie sich gemeinsam, ob Gott ihnen nur in solchen Programmen begegnen möchte. Oder könnte es sogar sein, dass Gott mehr Interesse daran hat, dass sie ihr Leben ein Stück weit miteinander teilen, resp. mitteilen? Gibt es Glaubensfragen, die Einzelne schon länger bewegen? Was hat der eine oder andere dazu zu sagen? Usw.
Denken sie auch darüber nach, ob tatsächlich der eine Punkt erst beendet werden muss, bevor der nächste beginnt. Also muss tatsächlich das gemeinsame Essen beendet und der Tisch abgeräumt sein, bevor sie über Glaubensfragen reden?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass selbst das regelmäßige Singen im Lobpreis und Gebet nicht mehr den Schwerpunkt hatte, wie es das normalerweise in Gottesdiensten hat. Das zu tun ist gut. Es dann zu tun, wenn wir es gemeinsam auch tun wollen ist weitaus gewinnbringender und mehr aus ehrlichen Herzen, als wenn es nur der übliche Programmpunkt ist.
Machen sie es sich zur Angewohnheit, dass Jeder, der zu den Treffen kommt, schon im Vorfeld darüber nachdenkt, was er beim Treffen beitragen könnte, etwas vorlesen könnte, eine Frage beisteuern könnte, etc.
Und nicht zuletzt: Trauen sie Gott zu, dass ER durch den Hlg. Geist gegenwärtig sein will und sich auch einbringen möchte. Das es Gott ist, der sie durch diese Abende führen wird.

Was tun, wenn sich Menschen bekehren?
„An wen vermittle ich denn diese Menschen, wenn sie sich tatsächlich bekehren sollten? Wer macht die Nacharbeit und führt sie weiter im Glauben?“ wurde ich gefragt. Hier spüre ich die Prägung der propgrammorientierten Gemeinden und Zweifel an der eigenen Kompetenz.
Meine Empfehlung:
Trauen sie sich selbst und Gott mehr zu! Heutzutage gibt es dermaßen viel Unterstützungsmaterial um Neubekehrte im Glauben weiterzuführen, dass sie das gut gemeinsam tun können. Sie brauchen keinen „Fachmann“. Und wenn doch, warum nicht dann und wann einen einladen? Hier möchte ich auf die apostolischen Dienste verweisen – also auf Diejenigen, die Gott in seinem Reich dazu ausgerüstet hat, auch anderen Gruppen und Gemeinden in bestimmten Dingen zu helfen und dort zu dienen.
Letztlich obliegt die Hauptverantwortung für jeden, der sich zu Gott bekehrt zunächst bei Gott. Wir sind immer nur Christen, die ihre Hilfe und Dienste anbieten können. Der Neubekehrte ist für sich vor Gott verantwortlich, ob und wie er sein Leben mit Gott gestaltet. Das ist auch in programmorientierten Gemeinden nicht anders.
Wenn die Neubekehrten nach anderen Gemeinden oder Programmen fragen, geben sie freimütig Antwort. Bieten sie evtl. sogar ihre Begleitung bei Besuchen anderer Gemeinden an. Vergessen sie nicht, kein Neubekehrter „gehört“ irgendeiner Gemeinde, jeder Christ gehört alleine nur Gott. Vertrauen sie auch hier Gott, dass er seine Kinder zu leiten weiß, sowohl die Neubekehrten wie auch sie, wenn sie konkret vor solchen Fragen stehen.

Wer trägt die Verantwortung?
Ganz schnell bekommen Manche die Frage, wer denn nun die Verantwortung tragen soll. Wer leitet dies alles und trägt die Verantwortung vor…ja wem eigentlich? Anderen Gemeinden oder Pastoren? Muss es einen Leiter geben, eine Art Pastor oder Ältesten?
Meine Empfehlung:
Brechen wir es einmal auf die Frage herunter, wer denn die Verantwortung tragen muss, wenn sie ein paar Freunde zu einem Geburtstagskaffee einladen? Brauchen sie hier einen Generalverantwortlichen oder ergibt sich soetwas nicht meist ganz von selbst?
Zunächst bleibt natürlich die einladende Familie oder Wohnungsinhaber verantwortlich, was eben die Verantwortungen eines Gastgebers betreffen. Diese können gerne zum Teil delegiert werden oder einfach auch von mehreren getragen werden.
Dann ist es eine ganz normale Entwicklung, dass sich mit der Zeit ganz von selbst herauskristallisieren wird, wer bei den Treffen der Gruppe leitend tätig ist und ob das von der Gruppe auch angenommen wird.
Einen Pastor brauchen sie nicht, und über die Frage von Ältesten können sie einmal nachdenken, wenn sich ihre Treffen verfestigt haben, ein reges Gemeindeleben stattfindet und sie anfangen sich mit anderen einfachen Gemeinden zu vernetzen. Bis dahin bleiben sie entspannt. Titel sind weitaus weniger wichtig. Wichtig ist, dass Gott unter ihnen die Gaben der Teilnehmenden einbringen und entwickeln kann.

Angst vor Aburteilung durch andere Christen
Was werden Christen aus anderen Gemeinden sagen, wenn wir anfangen uns zu treffen? Diese Frage ist leider berechtigt. Denn nicht selten werden einfache Gemeinden zunächst von Mitgliedern programmorientierten Gemeinden als minderwertige Treffen, wenn nicht gar völlig überflüssige Treffen angesehen. Das würde aber auch den meisten Neugründungen von üblichen Gemeinden so ergehen.
Die Treffen der einfachen Gemeinde werden anhand der Maßstäbe der programmorientierten und hierarchischen Gemeinden gemessen und werden nicht passen.
Meine Empfehlung:
Machen sie das Urteil anderer Christen nicht zum Maßstab dafür, ob sie sich mit einzelnen Anderen zum Austausch über Gott, gemeinsamen Gebet und gelebten Beziehungen treffen wollen. Achten sie darauf, dass sie ein offener Kreis bleiben und Niemand von irgendeiner anderen Gemeinde bewusst abgeworben wird. Wer kommen möchte sollte möglichst willkommen sein, wer nicht mehr kommen möchte sollte von ihnen mit Segen entlassen werden. Sollten sich tatsächlich Christen in ihren Treffen wohler fühlen als in einer programmorientierten Gemeinde, so machen sie sich bewusst, dass hier mündige Menschen eine eigene Entscheidung treffen. Lassen sie sich nicht einreden, sie wären damit ein „Schäfchendieb“.
Machen sie sich immer wieder bewusst, dass sie gemeinsam vor Gott kommen und dass es letztlich Gott sein sollte, der das letzte Wort darüber hat, wo und wie sich seine Kinder treffen können. Und sein Wort war und ist: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich mitten unter ihnen!“

Wir werden keine Glaubensthemen finden, über die wir sprechen können
Diese Befürchtung, keine Themen zu finden oder nicht auf Dauer genügen Programmvorgaben zu haben, hat man immer zunächst. Zumindest die meisten haben diese Bedenken. Eigentlich ist das eine Frucht daraus, dass wir Gemeindeleben mit der Absolvierung von vorgegebenen Programmen verbinden. So lernen wir es seit Jahrtausenden, so sind wir es gewohnt.
Immer wieder höre ich auch von Hauskreismitgliedern oder -leitern bestehender Gemeinden die Befürchtung, dass sie ohne vorgegebenes Programm ganz leicht in Alltägliches abrutschen werden.
Meine Empfehlung:
Woran mag das liegen, wenn Christen bei gemeinsamen Treffen nicht auf Glaubensfragen zu sprechen kommen oder ganz leicht immer wieder auf Themen ausweichen, die mit Glauben scheinbar nichts zu tun haben? Liegt es tatsächlich daran, dass Christen ohne Programmdruck nicht über Gott zu reden und nachzudenken in der Lage wären? Oder kann es sein, dass die vorgegebenen Programme selten etwas mit ihrem konkreten Leben zu tun haben?
Meine Erfahrung ist, dass Christen, die ihren Glauben bewusst leben, nicht zusammenkommen können ohne nicht doch irgendwann auf Gott und das Leben mit Gott zu reden. Aber das muss eben nicht immer so aussehen, wie wir es aus den sonst üblichen Gemeinden kennen. So kann es sein, dass sich das Gespräch über Gott und die Bibel eben erst aus dem Gespräch übers Einkaufen, die Kinder, Politik usw. entwickelt. Jeder Christ bewegt die Frage in dem allen, wie er als Christ damit umgehen soll oder was wohl Gott darüber denken mag.
Manchmal reicht auch der Einwurf einer simplen Frage dazu, was wohl Gott dazu zu sagen hätte, aus, um das Gespräch auf Glaubensinhalte zu bringen.
Wagen sie es ihr Glaubensleben nicht mehr von ihrem Alltagsleben abzugrenzen und gar zwei Leben parallel zu leben. Gehen sie gemeinsam auf das Abenteuer ein, Gott in ihrem ganzen Leben zu finden und sich genau auch darüber auszutauschen.
Nehmen sie die Nöte des Anderen ernst. Suchen sie selbst auch und besonders Antworten darauf bei Gott. Erwarten sie nicht auf alle Fragen Antworten zu finden, vertrauen sie aber gemeinsam darauf, dass Gott involviert ist und bringen sie diese Nöte gemeinsam im Gebet zu Gott. Betrachten sie ihre Treffen als das gemeinsame Abenteuer Gott in ihrer aller Leben anzutreffen und IHN wirken zu sehen.

Es mag auch noch andere Hindernisse geben. Wer dies hier liest kann gerne in einem Kommentar solche aufzeigen und wir können gemeinsam darüber nachdenken, wie wir damit umgehen können.

Charly

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